Gegründet 1990 zum Erhalt einer der am besten erhaltenen Bischofsburgen in Niedersachsen

Kategorie: historisches

Die Fuhse

Die Fuhse – Grenzfluß einst und heute

Ein Flußlauf der im behördlichen Jargon wie folgt beschrieben wird…

Die Fuhse ist ein 100 km langer, orografisch linker und südlicher Nebenfluß der Aller in Niedersachsen, Deutschland, der im Oderwald bei Flöthe entspringt und bei Celle in die Aller mündet.

Etymologisch betrachtet ist der Name Fuhse vermutlich verwandt zum althochdeutschen funs und altenglischen fūs (schnell, zielstrebig) und kann somit auf eine wahrscheinlich urgermanische Wurzel *funsaz (bereit, willig) zurückgeführt werden.


Ein Flußlauf der in früheren Zeiten große Herzog- und Fürstentümer voneinander getrennt hat…

In unserem Bereich waren es meist das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und das Fürstentum Hildesheim.

Ein Flußlauf der auch heute noch durch seinen Verlauf die Geschichte prägt, auch die Geschichte der Burg Steinbrück.

Ich versuche mal ein bisschen Ordnung in den doch etwas verwirrenden Flußlauf im Burggebiet zu bringen. Und daraus ergebend auch den Verlauf des Burggrabens.

Der Hauptlauf der Fuhse ist für viele Personen, mit denen ich gesprochen habe, der Bereich den man eindeutig hinter dem alten Burgwall östlich und nordöstlich sieht, mit der Steinbrücke an der alten Mühle…, das ist ein Punkt dem ich zustimme…, zumindest seit den großen Gebietsreformen die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in „Niedersachsen“ noch unter preußischer Regierung initiiert und ausgeführt wurden.

Andere Stimmen besagen, daß die Fuhse einst quer durch den Ort verlief und dann an der Steinbrücke zur Alten Mühle abbog…, auch dem stimme ich zu, denn auch das lässt sich durchaus belegen.

Geschichtlich gesehen gibt es noch eine dritte…oder auch eine vierte sehr interessante Version…, das mit den Mühlen ist auch noch so eine Geschichte für sich. 

Aber fangen wir mal so um 1300 an… Der gesamte Bereich um die zukünftige Burg ist ein Niederungsbereich der durch die Fuhse so viel Wasser zugeführt bekommt, das es hier weitreichende Morast- und Sumpfgebiete gibt. 

Der Weg der sich hier von West nach Ost zieht und dieses Gebiet kreuzt, ist schon seit den Römern eine wichtige Querverbindung als Handels- und Heeresweg, als Abzweig des großen Hellwegs vom Rhein an die Elbe als H1, als R1 oder heute als B1. Der Bereich unterhalb der Burg bietet zu der Zeit eine Querungsmöglichkeit der sumpfigen Gebiete die als Furten bezeichnet werden. In wie weit das mit der Namensgebung des anliegenden Groß Lafferde, von Laferdi oder Laffordi, zu tun hat lässt sich der Ortschronik entnehmen. Um 1300 wird hier ein Damm aufgeschüttet und auch eine befestigte Holzbrücke aufgebaut um das Passieren zu erleichtern, vermutlich gleich mit einer Zollstelle. Die Holzbrücke wird aus Gründen der Stabilität und häufigen Zerstörung bei Grenzstreitigkeiten in dem folgenden Zeitraum durch eine feste Steinbrücke ersetzt. Und um diese Brücke zu verteidigen wurde dann ab 1370 eine Burg an der Steinbrücke errichtet…, dazu später eine Vermutung von mir. 

Die dritte Version beziehe ich auf geschichtliche aber vorwiegend kartenbasierende Recherche, nämlich den Verlauf der Fuhse nicht direkt an der Burg zu sehen oder durch den Ort, den es Anfang des 14. Jahrhunderts so auch noch nicht gab. Die Grenze zwischen den Territorien verlief früher und auch heute noch zwischen Hildesheim und Peine ein Stück weiter östlich. 

In einer preußischen Karte von 1898 taucht der Name Alte Fuhse auf, genau mit dem Grenzverlauf, heute wird dieser schwache Bachlauf als Groß Lafferder Riethe betitelt. Auch dort gibt es eine Steinbrücke…, dazu folgt auch noch eine Vermutung von mir.

Die vierte Version ist ebenso interessant wie kurz erklärt. Zu einem ungefähr bestimmbaren Zeitrahmen kommen alle drei vorherigen Versionen zusammen zum Tragen… Daraus ergibt sich ein ziemlich weitläufiges, dreifach gestaffeltes umlaufendes „Burggraben-Design“. Dreifach?? Aussen die Alte Fuhse und der Wasserlauf im Ort und zweitens der kanalisierte Lauf um die gesamte Burg so wie er heute noch teilweise vorhanden ist.

Wer aufmerksam gelesen hat und zählen kann, dem fällt bestimmt auf das der dritte Burggraben fehlt!?! Dafür muss ich aber nochmal etwas ausholen…

Allerdings habe ich dazu leider nicht wirklich durchgängige, stichhaltige Belege, versuche es aber in meiner Vermutung so gut es geht zu erklären.

Der Bau eines Dammes und einer Brücke, ob Holz oder Stein, kostete einiges an Geldern, Material und Arbeitern. Um so etwas zu refinanzieren, verhängte man Wegezölle an solchen markanten Querungspunkten, das wiederum führte oft zu Streitigkeiten, die auch schnell zu kleinen kriegerischen Auseinandersetzungen führen konnten. Um das von vornherein zu unterbinden wurde nahe der Steinbrücke oder schon vorher an der Holzbrücke eine befestigte Verteidigungmöglichkeit aufgebaut. Wie der Aufbau aussah ist nicht genau überliefert, war es ein festes Zoll-Haus, ein Wartturm oder schon eine kleine Burganlage?? Geschichtlich gibt es eine wage Aussage das bereits 1346 eine „Burg“ an der Steinbrücke stand, an der hätten dann aber die flüchtenden Braunschweiger aus der Schlacht bei Dinklar 1367 vorbei müssen. Um 1370 wurde wohl mit den grundlegenden Arbeiten an einer Befestigung begonnen, knapp 10 Jahre später war alles mit Wällen und Graben umgeben fertiggestellt. 1383 wird das Castrum Steynbrugge urkundlich erwähnt, über deren Aussehen gibt es kaum Material. 

Aus architektonischen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung aller baulichen Ergebnisse eines mir vorliegenden Gutachtens ergibt sich eine Art quadratische Kernburg mit einem massiven, etwas kürzeren Palas nach Nordost, einer Wehrmauer im Ost- und Südbereich, einem Bergfried im Südwesten und einer schließenden Wehrmauer mit Zugbrücke im Westen. Eine Zugbrücke überspannt meist einen Graben, damit haben wir dann den dritten Wassergraben direkt um die Burg gefunden. Dieser wurde anfangs wohl durch kleine Stichkanäle aus der Fuhse gespeist, nach den großen Erweiterungen im Grabensystem dann als Trockengraben und Zwinger verwendet.

Ein Punkt noch…, welche Steinbrücke ist denn jetzt namensgebend?? Die an der Mühle oder die über die Riehte??

Der Beginn der Zeitrechnung

1370…, eine erste Nennung der Burg…, castrum steynbrugge

Steynbrugge ist klar definierbar, eine Steinerne Brücke über die Fuse oder Fuhse, als Querungshilfe verlängert mit einem Damm auf dem die alte Handels- und Heerstrasse zwischen Hildesheim und Braunschweig durch die sumpfige Fuhseniederung führte. Die Fuhse war und ist eigentlich immer noch die alte Grenze zwischen Hildesheim und Peine bzw. früher dann Braunschweig-Wolfenbüttel. Wo genau die Fuhse damals ihren Lauf hatte ist eine andere Geschichte.

Castrum wiederum lässt sich verschieden definieren…bei den Römern war ein castrum ein befestigtes Heerlager, ein Kastell, ein Bollwerk…also meist ein von Gräben, Wällen und Palisaden umgebener, stark gesicherter Bereich zur Unterbringung von Soldaten, Bewaffnung und Material für einen meist längeren Zeitraum. Im Deutschen wiederum wird es schon als Burg übersetzt, von burgus (griechisch), Turm oder ähnlich wie festes Haus oder Feste (Veste), also angewendet auf einen wehrhaften, bewohnbaren, architektonisch in sich geschlossenen Bau, der aber auch als repräsentatives Bild für seinen Erbauer zu sehen ist.

Wie diese erste „Burg“ um 1370 wohl wirklich ausgesehen hat bleibt im Dunkeln, war es nur eine Art Wallaufschüttung mit befestigtem Wart-Turm aus Stein und Holz (Turmhügelburg/Motte) oder war es doch schon eine wehrhafte, stabile, steinerne, befestigte Niederungsburg wie es sie z.B. die sogenannten Schwesterburgen Steuerwald von 1313 oder Marienburg von 1349 im Hildesheimer Umland waren.Es gibt auch eine Interpretation zu einer früheren Entstehung um das Jahr 1346 unter Heinrich dem II.

Um 1367, nach der siegreichen Schlacht bei Dinklar, plant Bischof Gerhard vom Berge bereits den Bau einer Wasserburg am Fuhseübergang.

1370 gibt es eine erste Nennung, aber erst 1383 findet sich eine schriftliche Erwähnung zum Haus Steinbrück in einem herzöglichen, braunschweigerischen Vertrag. Als Bauherr findet sich der Ritter und Stiftsmarschall Hans von Schwiecheldt, der bis ins Jahr 1394 an der Burg baut. Danach wurde die wohl soweit fertiggestellte Burg das erste, bei weitem nicht letzte Mal, verpfändet. 

Bereits 1421 wird das Haus Steinbrück als baufällig und fast wüst wieder aktenkundig, es erfolgt eine Vereinbarung zwischen Domprobst und Domkapitel zu Hildesheim die Burg instandzusetzen und auszubauen. Besondere Erwähnung finden dabei wohl ein Torhaus und der Bergfried. Es wird festgelegt, das der Domprobst „ein Holzwerk auf das Steinwerk zu bauen hat, an dem die Zugbrücke anschlägt, mit einem Überhang wie es am neuen Haus der Herren von Rössing ist,  gedeckt mit Scheuersteinen, mit Treppen, Fenstern und einer „heymlicheyd“ und ebenso „einen Bergfried bei der vorderen Brücke zu bauen, gedeckt mit einem halben Ziegeldach, gesetzt auf Pfähle und festen Grund. Desweiteren hat er die Brücken und den Zaun an der Fuhse und beim Vorwerk instand zu setzen.

1425 ging dann die gesamte Veste Steinbrück mit sämtlicher Gerichtsbarkeit, allen Ländereien, Markt- und Stadtrecht ohne Entgeld von Bischof Magnus an das Domkapitel zu Hildesheim über, kurze Zeit später wurde die Burg wieder verpfändet.

Ich erlaube mir hier zum Ende hin eine Anmerkung zum Bergfried und eine Vermutung zum Torhaus. 

Der Bergfried ist immer noch ein massives Bauwerk, das wenn man seine Entstehung bedenkt in recht passabelem Zustand ist. Das Fußmass beträgt knapp 11 Meter, die noch begehbare Höhe zwischen 8-9 Meter. Meinen Recherchen nach war diese Art von Türmen mindestens doppelt bis sogar dreimal so hoch wie breit. Auf Steuerwald oder Marienburg sind die Bergfriede noch voll erhalten. Ausrechnen und vorstellen könnt ihr euch das bestimmt selbst.

Das Torhaus, so wie es in der Vereinbarung aufgebaut und ausgestattet ist, stimmt in meiner Vorstellung nicht mit dem noch vorhandenen Pforthaus, das auch Keller oder Kasematte genannt wird, überein. Der Aufbau ist anders und auch der Standort paßt nicht zum alten Grabenverlauf der weiter südlich liegt, da ja dort auch eine Zugbrücke angesetzt war. Der alte Torbogen, der dem Pforthaus vorgelagert ist, also näher am Graben steht, wird auf alten Zeichnungen mit mehr Drumherum dargestellt und ist auch als Tempel oder Gärtnerwohnung bezeichnet. War der Torbogen überbaut und in einem Haus integriert oder hatte gar eine Anbindung an das Pforthaus oder gehört der Torbogen gar nicht da hin wo er jetzt steht??

Vorstellen müßt ihr euch das jetzt selbst…, Raum für Spekulationen gibt es da genug…, mit Beweisen dazu wird es schwierig…

Burg Steinbrücks Bauten

Wer hat hier eigentlich Was und vor allem Wann gebaut???

Bei Gesprächen mit Vereinsmitgliedern, Besuchern oder auch „Alteingesessenen“ kommt immer wieder mal diese oder eine ähnliche Frage zur Sprache. 

Unsere Burg ist mit über 650 Jahren schon ziemlich alt…, da ist viel passiert… Bauwerke entstanden und wurden zerstört, wieder auf- oder auch umgebaut, abgerissen, verändert oder gar umgesetzt… Es gibt viele Schriftstücke und Urkunden in den Archiven, auch Baupläne, Bilder und Zeichnungen, von versierten Personen oder von Hobbymalern. Bei Vielem zeigt sich ein gewisser roter Faden, Einiges widerspricht sich, Anderes ist auch frei erfunden. Abgleiche mit ähnlichen Burgbauten sind hilfreich, aber nicht immer zielführend…

Eine Menge Fragezeichen tun sich auf, aber ich werde den Versuch starten, ein bisschen Licht in dieses Gewusel durch die Geschichte zu bringen.

Ich berufe mich dabei auf die mir vorliegenden Schriften, Unterlagen, Pläne, Zeichnungen und selbst Erarbeitetes. Nicht alles ist zu hundert Prozent belegbar, einiges ist vielleicht auch etwas spekulativ von mir gedacht. Ich vermute, das es noch weitere Mitglieder im Verein gibt, die sich mit der Geschichte der Burg auseinander setzen, das bietet dann bestimmt einen Ansatz zur Diskussion. Und wenn ich falsch liege mit meinen Notizen, bitte berichtigt mich mit einem Kommentar!

Eines gleich noch vorweggenommen…, basierend auf einem kurzen Gespräch vor nicht all zu langer Zeit…

So wie Burg Steinbrück momentan aussieht, abgesehen vom Zahn der Zeit, wurde sie bestimmt nicht von Bischof Gerhard vom Berge um 1370 nach der Schlacht von Dinklar geplant…😉

Gespannt darauf was folgt??? Das freut mich! Aber…

Da diese „kurze“ Einleitung und Erklärung wieder so lang geworden ist, schreibe ich dann demnächst in mir möglichster Kurzform eine Übersicht über die einzelnen Bauwerke, deren Funktion und ihre Entstehung. Ich werde auch ein paar Anmerkungen oder Vermutungen dazupacken, um den trockenen Daten und Fakten etwas mehr Vorstellungskraft unterzumischen…

Bis dahin, euer Geschichtsschreiberling…

Ein Gedicht, ein Gedicht…

Beginnen möchte ich unsere Lesereihe
„Geschichte und Geschichten“ mit einem Gedicht des Heimatdichters Wilhelm Kaune der, wie bekannt sein sollte, auch viel im Hildesheimer Kreisheimatbund beigetragen hat. Er hat es damals bestimmt in „seiner plattduitschen Sprake“ vorgetragen, vermutlich war es ein ostfälisches Platt aus dem Hildesheimer Raum mit regionalem Einschlag. Dieser Text ist in Hochdeutsch verfasst, was den Inhalt aber keineswegs schmälert.

Burg Steinbrück

Der alten grauen Mauern
Zerbröckelndes Gestein,
Schaut wie mit stillem Trauern
Ins weite Tal hinein.

Ein Klang der wilden Stürme
Aus harter, rauer Zeit
Weht um zerbrochene Türme
Wie schweres, dunkles Leid!

Das raunt von alten Zeiten,
Bald trüb´, bald stolz und hehr,
Und trutz´ge Tage schreiten
Einher in blanker Wehr!

Da Braunschweigs Löwenritter
Die Feste sich erstritt,
Und hinterm Kerkergitter
Jürg Wullenwever litt!

Doch um die Giebelbalken,
Die keine Zeit zerschlug,
Ziehn noch die edlen Falken
Wie einst im stolzen Flug!

Und wenn in Frühlingstagen
Ihr grünes Fliederkleid
Dann die Gewölbe tragen
Nach allem Sturm und Streit,

Muß alles Dunkel weichen!
Wie fliegt mein Herz dir zu,
Das trutzige Wahrzeichen
Der Heimat, das bist du!

Von Wilhelm Kaune
aus Unser Hildesheimer Land
Band V. 1987

Zeitleiste

Im Laufe der Zeit hatte die Burg die unterschiedlichsten Benutzer und Einsatzzwecke.

Ein zeitlicher Abriss würde so aussehen:

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